Zeesboote auf Fischland-Darß-Zingst Mit dem Zeesboot auf die Ostsee!

Habt ihr schon einmal etwas von Zeesbooten gehört? Achtet bei eurem nächsten Urlaub auf Fischland-Darß-Zingst doch einmal ganz besonders auf die Boote mit den rotbraunen Segeln. Wer will, kann mit einem der Boote sogar selbst über die Wellen schippern.

Die Ostsee ist bekannt für ihre Zeesboote. Vor hunderten von Jahren waren die Zeesboote nicht mehr aus der Fischerei wegzudenken. Doch weshalb haben alle Segel der Zeesboote dieselbe Farbe und was hat es mit der “Zeese” überhaupt auf sich? Diese und mehr Fragen möchten wir euch nicht länger vorenthalten. Wir verraten euch außerdem, wann ihr bei eurem nächsten Ahrenshoop-Urlaub bei einer waschechten Regatta hautnah dabei sein könnt und welches Seemannsgedöns ihr dort beigebracht bekommt.

Was sind Zeesboote?

Zeesboot ist die plattdeutsche Bezeichnung für “Zeesenboot”. Bei Zeesbooten handelt es sich um Segelschiffe, die besonders auf flachen Gewässern unterwegs sind – oder vielmehr waren. Doch auf die Geschichte der Zeesboote kommen wir gleich zu sprechen.

Zeesboote werdet ihr bei eurem nächsten Besuch in Ahrenshoop schnell erkennen. Die Segelboote sind ungefähr 10 Meter lang. Einige von ihnen betragen sogar eine Länge von 12 Metern und alle von ihnen besitzen eine rötliche bis bräunliche Flagge. Bei Zeesbooten handelt es sich um sogenannte Schwertboote. Kenner unter euch wissen vielleicht, was es damit auf sich hat. Für die Restlichen eine kurze Erklärung: Schwertboote haben ein flaches Unterwasserschiff und wie der Name bereits verrät, werden bei ihnen sogenannte Schwerter, also Platten verwendet, die durch den Rumpf geschoben werden. Damit wird vermieden, dass das Boot abdriftet.

Die Zeesboote können bis zu 12 Meter lang sein. © Shutterstock, bluecrayola
Zeesboote werden vor allem in flachen Gewässern genutzt. © Shutterstock, bluecrayola

Wozu werden Zeesboote genutzt?

Genutzt wurden die Zeesboote vor allem für den Fischfang. Sie bestehen aus Eichenholz und sind perfekt an die Bedingungen von Lagunengewässern angepasst. Daher wurden sie früher auch vor allem auf dem Bodden benutzt.

Charakteristisch für die Zeesboote ist außerdem, dass sie ihre Segel gegen den Wind stellen und ein großes Netz hinter sich mitziehen. Wegen dieser speziellen Fangtechnik war es den Fischern möglich, das Netz lautlos hinter sich herzuziehen.

Damit sich der Gebrauch auch auszahlt und die Fischer möglichst viel fangen konnten, waren die Schleppnetze ganze zwölf Meter breit. Das Netz wurde oben am sogenannten Driftbaum und vorne am Klüverbaum befestigt. Meistens entschieden sich die Fischer dazu, das Netz nachts an ihren Zeesbooten anzubringen.

Welche Geschichte haben die Zeesboote?

Im 19. Jahrhundert war die Fischerei populärer denn je. Das ist auch der Grund, weshalb die Nutzung der Zeesboote zu dieser Zeit stark verbreitet war. Verbreitet waren die Boote vor allem in Hiddensee, Rügen, dem Greifswalder Bodden und natürlich hier bei uns rund um Fischland-Darß-Zingst. In Stralsund fand man zu dieser Zeit sogar mehrere hundert Zeesboote vor. Eine stolze Zahl! Stralsund galt zu damaliger Zeit deshalb auch als Zentrum der Zeesenfischerei.

In der DDR war der Gebrauch der Zeesboote noch bis Ende 1970 vertreten. Mit den Jahren nahm die Nutzung der Zeesboote allerdings stets weiter ab. Immer weniger Fischer beantragten einen Erlaubnisschein zum Fischfang. In den 90er-Jahren wurde die Schleppnetzfischerei dann schließlich verboten. Deshalb werden die alten Fischfangtechniken heutzutage auch höchstens verwendet, um sie Besuchern nahezubringen. Die Zeesboote sind heute also vielmehr eine touristische Attraktion. Dafür haben sich einige Menschen die Mühe gemacht, die alten Segelboote wieder aufzubauen und sorgfältig zu pflegen.

Neben den Zeesbooten werden hölzerne Netzboote immer beliebter. Sie werden auch als die kleinen Brüder der Zeesboote bezeichnet. Auch diese Boote wurden zu früherer Zeit von Fischern auf dem Bodden verwendet. Außerdem finden mit den Booten noch ganz besondere Events statt: Regatten! Auch hier bei uns könnt ihr jeden Sommer live dabei sein. Doch dazu später mehr.

Die Fischernetze wurden hinter dem Zeesboot hergeschleppt. © Shutterstock, FooTToo
Damals wurde mit den Zeesbooten Schleppnetzfischerei betrieben. © Shutterstock, FooTToo

Woher kommt die Bezeichnung “Zeesboot”?

Der Name “Zeesboot” hat mit der besonderen Fangtechnik zu tun. Wie ihr bereits wisst, werden bei Zeesbooten die Segel quer gegen den Wind gestellt. Hinter dem Boot ziehen die Fischer ein großes Netz her. Diese Methode wird “zeesten” genannt. Und damit sind wir dem Namen schon auf ganz heißer Spur. Auch das Fischernetz hat ebenfalls einen eigenen Namen. Es handelt sich dabei nämlich um die “Zeese”.

Seit wann sind Zeesboote Teil des immateriellen Kulturerbes?

Wie können stolz verkünden, dass die Zeesboote als Kulturerbe zählen. Zum immateriellen Kulturerbe zählen mündliche Überlieferungen, aber auch Tanz, Theater, Musik und eben auch traditionelle Handwerkstechniken, wie sie auch bei den Zeesbooten Anwendung gefunden haben.

Zuerst einmal sollten wir uns der Frage widmen, welche Kriterien überhaupt erfüllt sein müssen, damit die Ernennung zum Weltkulturerbe möglich ist. Die Empfehlungen kommen von einer Expertenkommission der UNESCO. Was dann am Ende zum Kulturgut ernannt wird, darüber entscheiden die Kultusministerkonferenz und die Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung.

Ganz schön viele Hürden. Doch unsere Zeesboote haben es tatsächlich geschafft. Der Grund: Es ist wichtig, die Zeesboote zu erhalten, da damit das Handwerk des Holzbootsbaus, die Segelmacherei sowie der seemännische Umgang mit Segelfahrzeugen vereint werden. Seit 2018 zählen die Zeesboote zum immateriellen Kulturerbe.

Auf Fischland-Darß-Zingst werden auch Ausfahrten mit den Zeesbooten angeboten. © Shutterstock, Manfred Ruckszio
Auf Fischland-Darß-Zingst könnt ihr die Zeesbootregatten hautnah miterleben. © Shutterstock, Manfred Ruckszio

Zeesboote auf Fischland-Darß-Zingst heute

Wo könnt ihr euch die Zeesboote anschauen?

Da sich einige Besitzer die Mühe gemacht haben, die Boote zu pflegen und wieder auf Vordermann zu bringen, könnt ihr sie heute bei uns im Hafen bewundern. Wie bereits erwähnt, finden bei uns auf Fischland-Darß-Zingst jedes Jahr die Zeesbootregatten statt.

Schaut doch zum Beispiel einmal bei der 28. Althäger Fischerregatta vorbei. Sie findet am 17. September an dem Hafen Althagen statt. Habt ihr gewusst, dass die Regatta schon vor fast 100 Jahren von den Fischern in Althagen veranstaltet wurde? Bis heute wird die Tradition feierlich fortgesetzt.

Neben den Wettfahrten werdet ihr dort zu echten Zeesboot-Experten ausgebildet. Euch wird vorgeführt, wie das Fischereigeschirr eingestellt wird und wie die Netze geflickt werden. Ihr wolltet schon immer mal wissen, wie der Seemannsknoten funktioniert? Kein Problem! Auch das lernt ihr bei der jährlichen Fischerregatta. Ihr möchtet verstehen, was die Fischer sich da immer für Seemannsgarn erzählen? Super, denn auch die typische Seemannssprache wird euch dort nahegebracht. Denn die enthält so einige Fachbegriffe, die man nur unter echten Seemännern versteht. Mittags geht es dann schließlich los und es wird um die Wette gefahren. Nach einer Ladung Spannung und Action wird der Gewinner bei einer offiziellen Siegerehrung gekürt. Wer ist euer Favorit?

Abgerundet wird der Abend bei einem Hafenfest mit Musik und Snacks. Die Althäger Fischerregatta ist längst nicht die einzige Regatta, die hier bei uns stattfindet. Hier kommen alle Termine auf einen Blick:

  • 2. Juli: 36. Wustrower Zeesbootregatta,
  • 16. Juli: 35. Dierhäger Zeesbootregatta,
  • 23. Juli: 20. Barther Zeesbootregatta,
  • 3. September: 58. Große Bodstedter Zeesbootregatta.

Könnt ihr auch selbst an Zeesbootregatten teilnehmen?

Selbstverständlich werdet auch ihr bei einer der zahlreichen Fischerregatten in unserer Region einmal die Möglichkeit erhaschen, auf das eine oder andere Zeesboot zu hüpfen.

Auch neben den Regatten finden ab und zu Touren statt, bei denen begeisterte Zeesbootfahrer auf die Ostsee hinaus segeln. Nehmt an einer Segeltour teil und genießt bei leckeren Getränken und einer Räucherfischplatte die wunderschöne Aussicht über die Ostsee.

Durch den Schutz vor Wind und Wetter erhalten die Zeesboote ihre Farbe. © Shutterstock, dba duplessis
Die charakteristische rote Farbe entsteht durch das Imprägnieren der Segel. © Shutterstock, dba duplessis

Warum haben Zeesboote rote Segel?

Zeesboote erkennt ihr besonders an ihren roten bis braunen Segeln. Doch das hat auf keinen Fall zu bedeuten, dass es die Farbe der Segel ist, die für die Zeesboote so charakteristisch sind. Die bräunlichen Segel waren in der Fischerei nämlich allgemein üblich. Die Farbe lässt sich ganz leicht erklären – sie hat nämlich einen einfachen, praktischen Grund: Sie entsteht durch die Gerbbrühe, die zur Imprägnierung der Segel verwendet wird. Damit werden die Segel vor Wind und Wetter der Ostsee geschützt. Schon vor 150 Jahren hatten die Segel der verschiedenen Segelboote daher die charakteristische Farbe. Es kann schnell passieren, dass ihr die Zeesboote daher mit anderen Segelbooten verwechselt. Schaut deshalb am besten ganz genau hin.

Egal, ob zu Wasser oder zu Land

Wir sind uns einig: Zeesboote sind eine echte Attraktion. Egal, ob ihr euch das Kulturerbe einfach nur anschauen, eure Lieblingsmannschaft bei einer Regatta anfeuern wollt oder selbst auf den Bodden hinaus segelt. Wir wünschen euch viel Spaß und sagen Ahoi!

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